«Stories in Resonance»
Schweizer Dokumentarfilmschaffen in Nyon
13.04.2026
Mit insgesamt 26 Schweizer (Ko)Produktionen zeugt das Festival Visions du Réel von der Vitalität und Vielseitigkeit des hiesigen Filmschaffens im Bereich Non-Fiction. 20 der Filme laufen als Weltpremiere, drei davon im Internationalen Langfilm-Wettbewerb. Im Rahmen des VdR-Industry werden an den SWISS FILMS Previews sechs neue Dok-Projekte vorgestellt.
Unter den 13 Filmen im Internationalen Wettbewerb Langfilme sind drei Schweizer Weltpremieren zu sehen: In ihrem einfühlsamen Langfilm DENTRO widmet sich Elsa Amiel einer Theaterafführung von Armando Punzo, der mit den Insassen einer Strafvollzugsanstalt in der Toskana arbeitet. Regisseurin
Jacqueline Zünd bedient sich in ihrem neuen Dokumentarfilm HEAT den dystopischen Vorstellungswelten der Science-Fiction und verdeutlicht so die Kontraste von Kuwait City – eine vollklimatisierte Stadt in der heissesten Region der Erde.
Filmemacherin Emma Boccanfuso porträtiert in Film SAUDADES ETERNAS die unerschütterliche Matriarchin Suely, die in einer Favela auf den Hügeln von Rio lebt. Der Film ähnelt einem Kammerspiel und erkundet einen Ort, der vom Rest der Welt abgeschnitten zu sein scheint und zugleich extremer Gewalt ausgesetzt ist.
BURNING LIGHTS und Kurzfilme
Unter den 15 Weltpremieren im Wettbewerb Burning Lights, der sich zeitgenössischen Erzählformen widmet, läuft eine Schweizer Weltpremiere: Matthias Joulaud und Lucien Roux (RAMBOY, VdR 2022) begleiten in der französisch-schweizerischen Koproduktion LA VOIX DU TROUPEAU das Leben eines taubstummen Viehzüchters aus dem Departement Cantal. Den beiden Regisseuren gelingt es in ihrem ersten Langfilm die Erfahrung der Gehörlosigkeit spürbar zu machen.
Zwei Weltpremieren aus der Schweiz sind im Internationalen Wettbewerb für mittellange und kurze Filmezu sehen: UNE CHAMBRE À ELLES von Lucia Martinez Garcia und THE RIGHT TO FORGET von Lisa Mazenauer. Die Schweizer Produzentin Franziska Sonder (Ensemble Film) ist Mitglied der internationalen Jury dieses Wettbewerbs.
Die Sektion Opening Scenes wiederum widmet sich den besten Nachwuchstalenten und präsentiert 15 Debüt – und Hochschulfilme aus aller Welt. Darunter sind der an der ECAL produzierte Kurzfilm PROCHAIN ARRÊT: FONTENAY von Charlyne Genoud sowie der kurze Anidoc RÉMINISCENCE von Iryna Melnichenko, produziert an der HEAD -Genève
Nationaler Wettbewerb
Der Nationale Wettbewerb würdigt die Qualität des Schweizer Filmschaffens mit einer Auswahl an 13 Filmen. Diese Sektion zeugt von der Qualität des hiesigen Dokumentarfilms, indem er nicht nur anerkannten Filmemacher:innen, sondern auch sechs Erstlingsfilmen eine Plattform gibt.
Zu den Autor:innen, die ihr Comeback feiern, zählen Maria Iorio und Raphaël Cuomo, die in Nyon bereits einen Spezialpreis erhalten haben, zeigen dieses Jahr ihren Film WAS DAS WASSER ERZÄHLT. Stéphane Goël kehrt mit EN TERRAIN NEUTRE zurück, einem hochpolitischen und zugleich sehr persönlichen Langfilm um das Konzept der Schweizer Neutralität, den er zusammen mit dem Investigativ-Journalisten Mehdi Atmani realisiert hat. Für seinen Film THE ROOTS OF MADNESS begleitet Edgar Hagen den langjährigen Nahost-Journalisten Ulrich Tilgner, der als melancholischer Zeuge in diese Region zurückkehrt, die mit aktivem Zutun der Westmächte bis heute zerstört wird.
An der an der Schnittstelle zwischen Kammerspiel und Konzeptfilm, filmt Sophie Schrago in WHAT COMES FROM SITTING IN SILENCE ein Tribunal in Indien, in dem Opfer häuslicher Gewalt Gerechtigkeit fordern können. Ebenfalls an einem einzigen Schauplatz gedreht wurde DER RUNDE TISCH von Benjamin Bucher und Juliette Menthonnex. Der Film analysiert, wie Politik funktioniert, indem er die Debatten einfängt, welche die Errichtung eines Zentrums für Geflüchtete in einem Dorf auslöst.
Regisseurin Laura Cazador hat ihren Film TRICONTINENTALE, LETTRE À OUVRIR AU CAS OÙ aus Archivbildern der internationalistischen Filmemacherin Michèle Firk zusammengesetzt, die ab 1967 in die guatemalische Guerilla involviert war.
Mehrere im Nationalen Wettbewerb vertretene Filme schlagen einen intimeren Weg ein: So auch COMMON GROUND, der erste Langfilm von Jonathan Jäggi, der Lilo auf den Spuren ihres Vaters in die Zürcher Allmend folgt, wo dieser seine letzten Jahre in Einsamkeit verbracht hat. Rafael Palacio Illingworth erzählt in seinem Essay-Film ALMA mit Verwendung fiktionaler Elemente von der Erfahrung des Verlusts einer geliebten Person.
Humorvoll und vielschichtig untersucht Regisseurin Lauren Dällenbach in NICOLE NICOLE die wechselseitige Abhängigkeit in der Beziehung zwischen ihrer Tante Nicole und ihrer Grossmutter. Mit FIRST LAP CRASH hat Liam Erlach ein Konzept entwickelt um über Geschwisterliebe nachzudenken und sich zugleich der Problematik seiner Schwester anzunähern, die aufgrund einer chronischen Krankheit in ihrem eigenen Körper gefangen ist.
Sarah Horst begleitet in ihrem ersten Langfilm SAFE SPACES drei Frauen, die über ihr Verhältnis zur Sexualität nachdenken und sich von den normativen Vorgaben patriarchaler Kulturen befreien. In ETERNAL SNOW nimmt uns François Kohler mit in den Alltag zweier Brüder, die am Fuss des Himalayas leben und mit der Erderwärmung konfrontiert sind. Der Debutfilm TO THE MOON AND BACK von Elisa Gomez Alvarez begleitet Ilyasse und Pauline, zwei wissenschaftliche Wunderkinder, die davon träumen, zum Mond zu fliegen.
In der neuen Sektion Borderlight präsentiert Tobias Nölle TRISTAN FOREVER, der an der Berlinale Premiere feierte. In derselben Sektion läuft die italienisch-schweizerische Koproduktion IL QUIETO VIVERE von Gianlucca Matarrese, der letztes Jahr in den Giornate degli Autori in Venedig seine Weltpremiere feierte.
Peter Mettlers Mammutwerk WHILE THE GREEN GRASS GROWS, von dem zwei Teile 2023 mit dem Grossen Preis des Festivals ausgezeichnet wurden, sowie THE OLIGARCH AND THE ART DEALER von Andreas Dalsgaard laufen als Special Screenings.
SWISS FILMS Previews und weitere Pitchings
An den Branchentagen VdR-Industry (19.-22. April), veranstaltet SWISS FILMS in Zusammenarbeit mit Visions du Réel ihre jährlichen Previews: Die Produzent:innen von sechs Schweizer Dokumentarfilmen mit internationalem Potential stellen sechs neue Projekte den internationalen Sales Agents, Verleiher:innen und Festival-Delegierten vor.
Am «VdR-Pitching», dem internationalen Koproduktions- und Finanzierungsforum, präsentiert der renommiert Schweizer Filmemacher Jean-Stéphane Bron sein neuestes Projekt A SEASON IN EUROPE (Produktion: Lionel Baier, Bande à part Films), in welchem er einen Einblick in die Arbeitsweise europäischer Institutionen gibt.
Im Rahmen des Pitching-Wettbewerbs «Prix RTS de soutien à la création documentaire» werden acht Dokumentarfilme aus der Romandie in Entwicklung vorgestellt:
- WARRIORS' WHISPER von Elena Avdija
- THE MISSING PIECE von Camille Budin
- CHASING THE SUN von Yelena Ganshof van der Meersch & Tom Keller
- YOU'RE WELCOME von Noémie Schmidt & Joris Avodo
- LORIS von Gaël Métroz
- AMORE E MENTALITÀ von Karim Sayad
- SHE EATS von Céline Pernet
- THE INVISIBLE MOUNTAIN von Ludmila Claude
Und im Migros Culture Percentage Story Lab Pitching stellen fünf Schweizer Filmschaffende ihre neuen Projekte vor:
- FLIGHT 7014 TO ALGIERS von Yamina Zoutat
- AMADA LIBERTAD von Celina Escher
- SPIRITS WE DIDN'T ASK FOR von Jonathan Jäggi & Tobias Kubli
- 22'000 SCREAMS FROM THE MINE von Noa Epars
- BEYOND DAD'S MOUSTACHE von Raphael Harari
Films
Dentro
Heat
Saudades Eternas
La voix du troupeau
Une chambre à elles
The Right to Forget
Prochain arrêt : Fontenay
Réminiscence
Was das Wasser erzählt
En terrain neutre
The Roots of Madness
Sarkash, les indociles
Der Runde Tisch
Tricontinentale, lettre à ouvrir au cas où
Allmend
Nicole Nicole
First Lap Crash
Safe Spaces
Neiges éternelles
To the Moon and Back
Tristan Forever
Il quieto vivere
While the Green Grass Grows: A Diary in Seven Parts
The Oligarch and the Art Dealer
Warriors Whisper
The Missing Piece
Chasing the Sun
Une saison en Europe
You're Welcome
Loris
Amore e Mentalità
Mangeuses
The Invisible Mountain
Festivals
Person